Wie sehen Tiere die Welt?

Bei Katzen wissen wir zum Beispiel, dass sie im Dunkeln viel besser sehen als wir Menschen. Hunde nehmen Farben dagegen weniger gut wahr; stattdessen helfen ihnen ihr Geruchssinn und ihr Gehör beim Sammeln von Informationen. Wir haben nun jedoch untersucht, welche Fähigkeiten die Augen von Wildtieren besitzen.
Was dem menschlichen Auge unsichtbar ist…
Heutzutage ist es keine Neuigkeit mehr, dass mehrere Tierarten mit ihren Augen Farben und Impulse wahrnehmen können, zu denen Menschen nicht fähig sind. Ein Beispiel dafür ist ultraviolettes Licht. Dieses sehen die meisten Vögel, ebenso Fliegen und einige Fischarten.
Raubvögel verfügen außerdem über zwei Foveen. Das ermöglicht es ihnen, selbst sehr kleine Tiere aus kilometerweiter Entfernung zu erkennen.
Noch interessanter ist das Sehvermögen der Reptilien. Schlangen spüren bei ihren Jagden die Wärme und suchen so nach ihren Beutetieren. Dabei helfen ihnen tausende empfindliche Rezeptoren auf ihrem Kopf, und dank ihnen können sie so erfolgreich jagen.
Die besonderen, um 360 Grad drehbaren Augen der Chamäleons helfen ihnen, ihre Umgebung zu erkunden. Da sie ihre Augen unabhängig voneinander bewegen können, verpassen sie keine wichtigen Ereignisse, etwa eine in ihrer Nähe unvorsichtig herumfliegende Fliege, die ihr Abendessen werden könnte.
Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass nachtaktive Tiere Licht viel besser wahrnehmen. Das ist auch nicht besonders überraschend, denn in der Dunkelheit brauchen sie ein scharfes Sehvermögen. Bei ihnen überwiegen die lichtempfindlichen Rezeptoren gegenüber den farbempfindlichen. Deshalb können die meisten Säugetiere zwar ähnlich sehen wie wir, Farben aber weniger gut wahrnehmen.
Gliederfüßer und die Facettenaugen
Die interessanteste Augenstruktur besitzen die Gliederfüßer. An unsere eigene Sehweise gewöhnt, halten wir es kaum für vorstellbar, wie es sein muss, die Umgebung mit diesen komplexen und im Verhältnis zum Kopf riesigen Augen zu betrachten – doch auch das hat seine eigene Funktion im Leben der Tiere.
Die meisten Insekten nehmen ebenfalls Ultraviolett wahr. Das hilft ihnen bei der Bestäubung, den Weg zu den Staubblättern und Narben der passenden Blüten zu finden. Neben UV können sie außerdem polarisiertes Licht sehen. Auch das unterstützt die Orientierung, etwa bei bewölktem oder regnerischem Wetter, wenn die Sonne nicht zu sehen ist – zumindest für uns.
Die Wahrnehmung von polarisiertem Licht ist auch für Krebstiere sehr nützlich. Unter Wasser ist es recht schwierig, den Wechsel von Tag und Nacht oder die Mondphasen zu verfolgen. Mit diesem besonderen Sehvermögen können sie dennoch Informationen darüber gewinnen und wissen so genau, wann die Flut kommt.
Was das Sehvermögen von Insekten betrifft, ist eine weitere Besonderheit, dass sie Bilder viel schneller verarbeiten können als Menschen. Beim Fliegen und bei räuberischen Insekten hilft das bei der Jagd, da sie sich so beim Manövrieren effektiver orientieren können.
Mit diesem Wissen ist es gar nicht mehr so überraschend, warum Tiere in bestimmten Situationen so hervorragend zurechtkommen. Während wir viele Reize nicht wahrnehmen können, könnten sie ohne sie nicht bestehen.
