Was tun, wenn ein Wildschwein auf uns zukommt?

Leider leben wir in einer sehr gefährlichen Welt. Auch die Medien lassen keine Gelegenheit aus, uns das unter die Nase zu reiben, denn es können uns zahlreiche Unfälle, Brände und UFO-Angriffe passieren. Der städtische Lebensstil treibt in letzter Zeit immer extremere Auswüchse hervor; die Mitglieder der Betonwelt erschrecken sich beinahe zu Tode, wenn sie auf irgendein Naturphänomen treffen, sei es ein Wetterereignis, ein wildes Tier (wobei wir hier Glück haben, denn in Europa leben kaum lebensgefährliche Raubtiere), eine wilde Frucht oder einen Pilz.
Tatsache ist, dass man sich in einer Umgebung, in der wir die Regeln nicht kennen, zurückhaltend verhalten sollte, aber das bedeutet nicht, dass wir vor Wanderungen und Spaziergängen in der Natur zurückschrecken müssten; vielmehr sollten wir nachsehen, was in Extremsituationen zu tun ist.
Beispielsweise: Was ist zu tun, wenn wir bei einem Spaziergang im Wald auf Wild treffen? Mit den Hirschartigen gibt es kein Problem, denn sie fürchten sich viel stärker vor dem Menschen als wir vor ihnen. In Konflikt mit Hirschen zu geraten, ist viel leichter auf der Straße, wenn sie vor uns aufspringen, als im Wald. In der Regel verschwinden sie lautlos, wenn sie hören, dass ein Mensch kommt; meistens merken wir nicht einmal, dass sie dort waren. Wenn die Begegnung auch für sie eine Überraschung ist und/oder sie sich sehr erschrecken, fliehen sie möglicherweise mit mehr Lärm; dann ist das Stampfen ihrer Hufe auf dem Boden spürbar, und das Rascheln im Unterholz ist zu hören.
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Das Wildschwein ist deshalb „eine andere Geschichte“, weil auch sie zwar versuchen, Begegnungen mit Menschen zu vermeiden, es aber vorkommen kann, dass sie sich uns gegenüber aggressiv verhalten. Die größte Wahrscheinlichkeit dafür besteht, wenn sie gerade Frischlinge haben (Januar bis Mai, obwohl das im Grunde das ganze Jahr über nicht ausgeschlossen ist). Wenn wir auf Wildschweine treffen, sollten wir nie Zeit damit verlieren, herauszufinden, wie viele es sind und in welcher Zusammensetzung. Wir sollten ihnen gegenüber kein bedrohliches Verhalten zeigen, indem wir auf sie zugehen. Sehr wichtig ist, ihnen nicht den Weg zu versperren und sie nicht an einen Ort zu drängen, von dem aus sie nicht fliehen können!
Wenn wir im Internet nachlesen, wer was in einer solchen Situation rät, sehen wir, dass es mehrere „Schulen“ gibt. Manche sind der Meinung, man müsse versuchen, die Wildschweine zu vertreiben, also pfeifen, mit einer Glocke läuten oder mit einem Stock wedeln. Andere meinen, man solle es mit so etwas gar nicht erst versuchen, weil sie das missverstehen könnten, vor allem wenn es um Muttertiere geht, und sie sich ohnehin nicht vertreiben lassen.
Es gibt Leute, die meinen, man solle regungslos stehen bleiben, weil das auf keinen Fall bedrohlich wirkt, und es gibt Leute, die sagen: „Flucht ist zwar eine Schande, aber nützlich“. Ein Gegenbeispiel dafür ist, dass das Wildschwein ein äußerst ausdauernder Läufer ist, mit einer Spitzengeschwindigkeit von 45 km/h, und das kann ein Mensch nur selten übertreffen. Beide Verhaltensweisen können für sie eine Herausforderung darstellen, und da wir in beiden Hinsichten im Nachteil wären, wenn es zu einer Konfrontation käme, ist es besser, die Sache nicht zu forcieren. Auch auf einen Baum zu klettern ist keine Lösung, denn das Wildschwein ist klug genug, einfach so lange unter dem Baum zu bleiben, bis wir müde werden und herunterfallen.
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Dem Lärmen kann allerdings durchaus eine Berechtigung zukommen, wenn wir noch keinem Wildschwein begegnet sind, es aber wahrscheinlich in der Nähe ist. Dann lohnt es sich zu klatschen und zu singen, um das Wildschwein darüber zu informieren, dass wir kommen, und damit es die Möglichkeit hat, sich zu entfernen und eine Begegnung zu vermeiden.
Sehr wichtig ist auch, dass wir uns den Tieren nicht nähern, selbst dann nicht, wenn sie sehr friedlich wirken. Noch strenger tabu ist nur eines: Wenn wir gestreifte Wildschwein-Frischlinge allein entdecken – vielleicht stoßen wir auf ein Nest oder finden sie einfach unter einem Busch –, dann dürfen wir auf keinen Fall näher herangehen, sie ansehen und schon gar nicht streicheln oder auf den Arm nehmen. So hilflos sie auch wirken mögen, glauben wir es ruhig: Sie brauchen keine Hilfe, ihre Mutter ist vermutlich nur auf Nahrungssuche. Gleichzeitig können wir sicher sein, dass, wenn sie eine fremde Anwesenheit bemerken oder aus dem sicheren Nest herausgenommen werden, sofort ein klagendes Hilfeschreien ertönt und wenn die Mutter auftaucht, geraten wir in große Schwierigkeiten.
Wenn wir einem ausgewachsenen Wildschwein begegnen, können wir zwei Dinge tun, für beide braucht es allerdings eine beträchtliche Portion Selbstbeherrschung. Das eine ist, so zu tun, als hätten wir es nicht bemerkt, und uns ohne besondere Veränderung unseres Tempos möglichst unauffällig vom Ort zu entfernen. Das andere ist, stehen zu bleiben und abzuwarten, bis es weiterzieht. In solchen Fällen ist es ratsam, keinen Augenkontakt mit ihm aufzunehmen.
Beim Angriff benutzt der Eber seine Hauer, die Bache beißt. Wenn wir in die Lage geraten, dass uns das Wildschwein angreift und wir nicht fliehen können, ist es am besten, sich auf den Bauch zu legen und sich zusammenzurollen. Es lohnt sich, den Kopf mit den Armen zu schützen, sich vielleicht unter einen Baum oder Busch zu drücken und die inneren Organe durch das Einrollen zu sichern.
